In den Weihnachtstagen 1891 gründeten diese Männer den Ski-Club Todtnau:
Rudolf Thoma, Carl Thoma 11. Carl Thoma 111, Fritz Breuer. Carl Schlimbach. Oskar Faller
Zum ersten Ehrenmitglied des SC Todtnau wurde Fridjof Nansen ernannt. der sich mit diesem Brief vom 5. Januar 1892 beim Ski-Club bedankt.
Todtnau, die Wiege des deutschen Skisports
Als vor 100 Jahren die Gegend um den Feldberg in vollster Abgeschiedenheit lag, war das Überwintern im Hochschwarzwald mühevoll.
Ein früherer Schiffsarzt, Dr. Tholus, genug vom Weltenbummeln, ließ sich in Todtnau nieder, um hier als Landarzt zu praktizieren. Im Sommer waren die Kranken in den abgelegenen Orten und Höfen mit der Pferdekutsche zu erreichen; im Winter jedoch wurde jeder Krankenbesuch zu einer beschwerlichen Unternehmung. Die Region war zugeschneit und schneeverweht, das Gelände unwegsam. Wieder einmal kam Dr. Tholus im tiefen Winter nachts erschöpft nach Hause. Trotz Müdigkeit hatte er die Vision, über den Schnee hinwegschweben zu können. Er erinnerte sich an einen Zeitungsbericht, der beschrieb, wie sich nordische Völker hölzerne Latten unter die Schuhe schnallten, um auf der Jagd besser im Schnee voranzukommen. Er fand den Artikel und auch die Bezugsquelle, Ganz spontan und eilig wurde eine Bestellung aufgegeben. So gelangten die "Schneeschuhe" schon 1888 nach Todtnau, und so kam es hier zu den ersten Versuchen, sich auf diesen Latten im Schnee fortzubewegen. Sehr erfolgreich fielen die nächtlichen, heimlichen Skiversuche im Garten jedoch nicht aus. Leibesfülle, Ungeschicklichkeit, wohl auch Ungeduld ließen seine Versuche scheitern, Enttäuscht packte der Doktor die 2,50 Meter langen Latten auf den Speicher.
Kurze Zeit darauf berichteten die Zeitungen aller Länder über die einmalige Pioniertat Fritjof Nansens, der in 42 Tagen Grönland auf Schneeschuhen durchquert hatte. Eine Sensation, die in aller Welt Bewunderung auslöste! Auch am Stammtisch im "Ochsen" wurde die sportliche Leistung diskutiert, Da erinnerte sich Dr. Tholus seiner verstaubten Schneeschuhe auf dem Speicher. Sofort wurden sie herbeigeschafft und begutachtet. In ihrer ersten Euphorie wurden die Todtnauer gleich aktiv. Fritz Breuer und Karl Thoma II probierten als erste die "langen Sandalen" aus. Das war im Februar 1891. Die Begeisterung war so groß, dass man am Sonntag darauf schon eine Skibesteigung auf den Feldberg wagte, Oben erzählte ihnen der Wirt des Feldberger Hofes, dass vor kurzem schon ein Skiläufer von der Höllentalseite her aufgestiegen war. Dr. Pilet, ein Franzose, der in Heidelberg wohnte, hatte sich ebenso für Schneeschuhe begeistert wie die Todtnauer Gruppe. So traf man sich zum Gedankenaustausch, und Dr. Pilet erteilte den Todtnauern die ersten Unterrichtsstunden im Schneeschuhlaufen.
Bereits im Spätherbst 1891 gründeten Fritz Breuer, Oskar Faller, Carl Schlimbach, Karl Thoma II und III und Rudolf Thoma in Todtnau den ersten deutschen Skiclub. Fritjof Nansen sollte Ehrenmitglied sein. Und er nahm die Ehrung an; sein Dankesbrief mit Datum vom 5. 1. 1892 liegt bei den Akten des Skiclubs Todtnau.
Nun sahen sich die Schwarzwälder Bastler, Tüftler, Holzverarbeiter und Experimentierer herausgefordert und stellten bald selbst Schneeschuhe her. Dem Skiclub Todtnau liegt eine Rechnung der Furnierschneiderei Johann Bernauer I über 127 Mark und 50 Pfennige für "zwölf Paar Schneeschuh und drei Stäb" vom 17. 12. 1892 vor. Schneidermeister Fieger in Todtnau fertigte 1892 die erste einheitliche (und praktische) Skibekleidung, und Fritz Breuer, der Erste Vorsitzende, gab das erste kleine Skilehrbuch heraus.
Viele beantragten die Aufnahme als Mitglied in den Skiclub Todtnau. Bald waren die Beitrittswünsche nicht mehr zu bewältigen. So wurde 1895 der Skiclub Schwarzwald, der erste deutsche regionale Skiverband auf Initiative des Skiclubs Todtnau gegründet, in dem die einzelnen Skiclubs als Ortsgruppen geführt wurden.
Die Veranstaltungen - Wettläufe, Hindernis-Skispringen - fanden zumeist auf dem Feldberg statt und wurden wie Feste gefeiert. In Pferdeschlitten kamen die Zuschauer, tummelten sich zu Hunderten am Feldberger Hof. Von Anfang an waren auch die Damen dabei. Während Sport vor der Jahrhundertwende für Frauen mehr oder weniger tabu war, wurden sie von den Todtnauern als Partnerinnen gleichberechtigt akzeptiert.
Das erste Damenskirennen 1897 auf dem Feldberg war nahezu eine Sensation.
1900 lud der Todtnauer Skiclub zur ersten Deutschen Meisterschaft auf den Feldberg ein. Die Teilnehmer hatten eine Strecke von 23 km zurückzulegen - von der Belchenspitze über den Stübenwasen zum Feldberg. Die Bestzeit erzielte Bjarne Nilsen, ein norwegischer Student mit 3 Std., 10 Min. eine Leistung, die noch heute Hochachtung verdient.
Der Sportjournalist Gerd Mehl sagte in seinem Vortrag zum 90jährigen Jubiläum des Skiclubs Todtnau: ". . . Dass Todtnauer Schulkinder kostenlos Ski erhielten, dass die Todtnauer erkannten, welche Bedeutung der Skilauf für die Volksgesundheit haben würde, dass sie als erste gewaltige alpine Leistungen vollbrachten und vieles mehr, macht die Bedeutung der Todtnauer Gründermannschaft für den deutschen Skilauf aus. 1894 waren die Todtnauer Eduard Faller und Oskar Faller sowie Rudolf Thoma nach nur zweijähriger Skipraxis zusammen mit den Straßburgern Dr. Mehnert Mönnichs und Dr. Offermann in der Schweiz. In nur drei Tagen machten sie eine auch heute noch enorm harte und schwierige Tour von Airolo über den Gotthard- und Grimselpass - eine Alpenüberquerung bis nach Guttannen ... Es war eine der großen Pioniertaten in der Geschichte der winterlichen Erschließung der Alpen."
Den gesundheitlichen Wert des jungen Skisports hatten auch bald die Ärzte erkannt. Nach Dr. Tholus war es vor allem Dr. Karl Brohl, der langjährige Vorsitzende des Skiclubs Todtnau. Mit dem Bau der Sesselbahn Hasenhorn 1951 avancierte der Todtnauer Hausberg zum sportlichen alpinen Mittelpunkt im Schwarzwald. Etliche großartige Schwarzwaldmeisterschaften fanden in den fünfziger und sechziger Jahren hier statt. 1968 wurde unter dem damaligen Sportwart Benno Bernauer dem Skiclub Todtnau die Durchführung der Deutschen Alpinen Meisterschaften zugesprochen. Das Hasenhorn war Schauplatz von Slalom und Riesenslalom, und erstmals wurde eine Abfahrt vom Silberberg auf der schwierigen Strecke nach Brandenberg ausgetragen.
Nach dem Ausbau der Fahler Lifte wurde dem Skiclub Todtnau unter seinem Ersten Vorsitzenden Erwin Lauterwasser 1978 erneut eine Deutsche Meisterschaft übertragen. Ein junges dynamisches Organisationsteam um Richard Thoma machte auf sich aufmerksam. Es gelang diesem Team, im Februar 1983 das 1. Alpine Weltcuprennen für den Schwarzwald nach Todtnau zu holen. Dieser Riesenslalom, ausgetragen auf der FIS-Strecke in Fahl mit der gesamten Weltelite am Start, bei herrlichem Winterwetter und Tausenden von Zuschauern, machte Todtnau und damit den Schwarzwald als Wintersportgebiet weltweit bekannt. Seither konnte Todtnau als Weltcup-Austragungsort einige Europacuprennen und Deutsche Meisterschaften organisieren und austragen. So 1985 den FIS-Weltcup-Riesenslalom der Herren. 1991 kann der Skiclub Todtnau sein 100jähriges Jubiläum feiern.
Im Jahr 2000 gelang es dem Team erneut ein Weltcuprennen nach Todtnau zu holen.